Abfindung und Steuer - worauf muss ich achten?

Zuletzt aktualisiert am 27. August 2020

Die Abfindung bei einer Kündigung kann einen finanziellen Ausgleich für den Verlust des Arbeitsplatzes darstellen. Allerdings müssen Sie wissen, dass Steuer auf die Abfindung erhoben wird. Erfahren Sie im Folgenden mehr zu der steuerlichen Behandlung von Abfindungen und den Gestaltungsmöglichkeiten bei Kündigung mit Abfindung.

Die Abfindung und darauf entfallende Steuer

Wenn Sie eine Abfindung erhalten, stellen Sie sich wahrscheinlich schnell die Frage, was nach Abzug der Steuer Netto für Sie übrig bleibt? Was ist hier mein Netto vom Brutto? Diese Fragen drängen sich sofort auf, wenn Ihnen bewusst wird, dass Abfindungen versteuert werden. Im Kontext einer Kündigung oder eines Aufhebungsvertrages unterliegt die Abfindung in vollem Umfang der Steuer. Anders ist es bei den Sozialversicherungsbeiträgen. Abfindungen sind hier sozialversicherungsfrei.

Dennoch ist auch im Zusammenhang mit der Sozialversicherung etwas zu beachten. Eine Abfindung kann unter bestimmten Umständen zu einer Sperrzeit beim Bezug von Arbeitslosengeld führen. Deshalb sollten Sie sich insbesondere vor dem Abschluss eines Aufhebungsvertrages mit Abfindungsvereinbarung immer rechtsanwaltlich beraten lassen.

Was die Versteuerung angeht, steht Ihnen in den meisten Fällen eine Möglichkeit zur Gestaltung offen, eine Steuerermäßigung für mehr Netto vom Brutto. Das Stichwort lautet dabei Fünftelregelung.

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Die Fünftelregelung bei der Versteuerung einer Abfindung

Aus der Sicht des Fiskus erhalten Sie mit der Auszahlung einer Abfindung zusammengefasste Einkünfte in einem Veranlagungsjahr. In der Vergangenheit waren Abfindungszahlungen im Zusammenhang mit Kündigungen sogar einmal steuerfrei. Diese Steuerfreiheit wurde allerdings im Jahr 2003 abgeschafft. Damit Ihre für Sie wertvolle Abfindung nicht im vollem Umfang versteuert wird, können Sie die Fünftelregelung in Anspruch nehmen. Der Fiskus gewährt Ihnen hier eine Steuerermäßigung unter bestimmten Bedingungen. Diese Steuerermäßigung wirkt sich aber nicht bei jedem Betroffenen in gleicher Höhe aus.

Die Fünftelregelung im Detail

Um die Steuerermäßigung über die Fünftelregelung zu verstehen, müssen Sie das einkommensteuerliche System verstanden haben. Wenn Sie sich hier einmal die Einkommensteuersätze selbst ansehen, werden Sie feststellen, dass diese mit steigenden Einkünften ebenfalls steigen. Man nennt dieses Verhältnis der Einkommensteuersätze zu den Einkünften progressiv. Höhere Einkünfte = mehr Steuer.

Normalerweise wäre deshalb gerade für einen Arbeitnehmer, der nach einer Kündigung für eine lange Tätigkeit eine hohe Abfindung bekommt, der Steuersatz besonders hoch. Denn in diesem Moment hat sich sein Gehalt, haben sich seine Bezüge durch die Abfindungszahlung erheblich vergrößert.

Mit der Fünftelregelung wird diesem progressiven Effekt entgegengewirkt. Dazu wendet der Fiskus eine Fiktion an: Er verteilt die Abfindung in der Berechnung der Steuer gleichmäßig auf fünf Jahre. Wenn Sie also mehr Netto vom Brutto der Abfindung erhalten wollen, sollten Sie darauf achten, dass die Fünftelregelung für Sie anwendbar ist.

Dafür ist es beispielsweise wichtig, dass Ihre Abfindung in einem Kalenderjahr vollständig ausbezahlt wird. Haben Sie dagegen mit Ihrem Arbeitgeber vereinbart, die Abfindungszahlung auf zwei oder mehrere Jahre zu verteilen, kann das die Anwendung der Fünftelregelung gefährden. Am Ende müssten Sie dann möglicherweise die beiden Abfindungszahlungen in dem jeweiligen Kalenderjahr zusammen mit Ihren anderen Einkünften voll versteuern. Ohne Ermäßigung.

» Beispielsrechnung für die Fünftelregelung und die Steuerermäßigung

Als ledige Arbeitnehmerinnen erhalten Sie als Einmalzahlung in einem Kalenderjahr eine Abfindungszahlung von 15.000 EUR. Ihr ansonsten zu versteuerndes Einkommen nach allen Abzügen vom Brutto und allen steuerlich zu berücksichtigenden Abzugsbeträgen beläuft sich auf 60.000 EUR.

Kommt jetzt die Steuerermäßigung für eine Abfindung zur Anwendung, muss eine komplexere Berechnung vorgenommen werden:
Ihr zu versteuerndes Einkommen beträgt 60.000 EUR. 1/5 Ihrer Abfindung - das sind 3000 EUR - werden diesem Einkommen hinzugerechnet. Damit würde sich ein zu versteuerndes Einkommen von 63.000 EUR ergeben. Der Fiskus vergleicht jetzt Ihr zu versteuerndes Einkommen ohne Abfindung in Höhe von 60.000 EUR mit dem zu versteuernden Einkommen mit Abfindung in Höhe von 63.000. Die darauf entfallenden Steuerbeträge werden ebenfalls verglichen.

In einem nächsten Schritt wird von der Einkommensteuer mit Abfindung die Einkommensteuer ohne Abfindung abgezogen. Nehmen wir an, dass der Unterschiedsbetrag in dem Beispiel 1200 EUR beträgt. Der fünffache Betrag von 1200 EUR beläuft sich auf 6000 EUR.

Jetzt werden noch einmal zwei Beträge verglichen: Die Steuer auf Abfindung mit der Steuerermäßigung soll in unserem Beispiel 9100 EUR betragen, die Steuer auf Abfindung ohne Ermäßigung 9340 EUR. Daraus ergibt sich eine Einkommensteuer-Ersparnis von 240 EUR bei der Einkommensteuer.

Was ihnen also nach einer Kündigung mit einer Abfindungszahlung tatsächlich als Netto vom Brutto auf dem Konto verbleibt, hängt sehr von Ihren individuellen steuerlichen Voraussetzungen ab. In manchen Fällen wirkt sich die vom Fiskus vorgesehene Steuerermäßigung kaum aus. In anderen ergibt sich ein deutlicher Vorteil bei Anwendung dieser besonderen Regelung.

Die Steuer als taktischer Aspekt bei einer Kündigung mit Abfindungszahlung

Die Komplexität dieses einfachen Beispiels oben zur Fünftelregelung zeigt, dass bei Verhandlungen über eine Kündigung und eine Abfindungszahlung der steuerliche Aspekt nicht außen vor bleiben kann. Schließlich kommt es Ihnen nach einer Kündigung darauf an, möglichst viele Netto vom Brutto auch von Ihrer Abfindung zu behalten. Wird dieser mögliche Vorteil durch die Abfindung mit der Steuer quasi aufgebraucht, haben Sie nicht viel von einer Abfindungszahlung gehabt.

Auch deshalb ist es so wichtig, dass Sie die Verhandlungen über Abfindungszahlungen bei einer Kündigung oder einem Aufhebungsvertrag Experten in diesem Bereich überlassen. Sie bringen ihre ganze Erfahrung und ihr taktisches Geschick in solche Verhandlungen ein. Sie wissen genau, wie sie auch die Steuerermäßigung für Sie optimal nutzen.

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